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Die Pharaonen von Ägypten

Königin Hatschepsut

Maatkare
Um 1498 - 1483 v. Chr.

HatschepsutKönigin Hatschepsut war wie Thutmosis II. feststellen musste eine sehr willensstarke Frau.
Im zweiten Jahr ihrer Regentschaft für den noch zu jungen Thutmosis III. begann sie dessen Position zu schwächen und ihn vom Thron fernzuhalten. Ursprünglich war sie zufrieden gewesen mit dem Titel "Große königliche Gemahlin" oder als "Königin" bezeichnet zu werden und auf Statuen oder Reliefs hinter ihrem Gemahl oder Stiefsohn Thutmosis III. abgebildet zu werden. Als sie die Unterstützung der hochrangigsten Beamten des Landes hinter sich wusste, begann sich dies schlagartig zu ändern. Bald darauf wurde am Fuß der Klippen von Deir el-Bahari mit dem Bau ihres Totentempels begonnen.

Unter Aufsicht ihres Haushofmeisters Senenmut wurde das Bauwerk zunächst nach dem Vorbild des unmittelbar südlich angrenzenden Tempels des Mentuhotep aus der 12. Dynastie entworfen. Doch schon allein der Bauplan des fertigen Tempels machte ihn zu einer einzigartigen Sehenswürdigkeit in ganz Ägypten.

Vorwiegend aus weißem Kalkstein errichtet, stieg er in drei breiten Stufen mit säulenumgrenzter Vorderfront zu einem zentralen Heiligtum empor, das auf der obersten Terrasse in den Fels geschlagen wurde. An oberster Stelle der hier verehrten Götter stand Amun, doch gab es auch kleinere Nebenaltäre an der Nord- und Südseite des Tempels für die Göttin Hathor und für den Gott Anubis. Das Besondere an dem Tempel war die Ausrichtung nach Osten, parallel zum mächtigen Amuntempel bei Karnak auf der anderen Niluferseite.

Die Königinnen vom Nil - Teil 1: Hatschepsut die Grosse
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Kurzbeschreibung

Ihre Existenz wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts mit den Ausgrabungen ihres Tempels am Westufer des Nils bei Luxor entdeckt. 22 Jahre - von 1479 - 1457 v. Chr. - hielt sie sich in einem Klima der Intrigen und Missgunst an der Macht. War es doch geradezu Gotteslästerung, dass eine Frau auf dem Thron saß. Doch Hatschepsut herrschte wie ein Mann - führte ihre Truppen in die Schlacht, entsandte Expeditionen nach Punt und glänzte mit prachtvollen Bauten. Nach ihrem Tod wurde ihr Andenken systematisch ausgelöscht.

 

Hatschepsut hatte ihren Totentempel auf den Namen "Garten meines Vaters Amun" getauft. Und in der Tat wurde daraus ein blühender Garten, mit verschiedenen Bäumen und grünem Buschwerk, das bis an die Rampen, die zum Tempeleingang führten reichte. Hatschepsut legte sehr großen Wert auf ihre göttliche Abstammung von dem Gott Amun. Deshalb ließ sie im Inneren des Tempels das sogenannte Geburtsrelief anbringen. Es zeigt wie ihr Göttervater Amun, ihre leibliche Mutter Ahmose besucht, während in der Nähe die zuständigen Gottheiten für Empfängnis und Geburt, nämlich der widderköpfige Gott Chnum, die Froschgöttin Heqat und die sieben guten Feen der Göttin Hathor stehen. Dies sollte aussagen, das Amun selbst Hatschepsut mit der Absicht gezeugt und auserwählt hatte, als Königin über Ägypten zu herrschen. Dementsprechend ließ sie sich mit vollem Königsornat, einschließlich Zeremonialbart am Kinn abbilden.

Um ihre Stellung als Königin zu festigen nahm Hatschepsut folgende Titel eines weiblichen Horus Wosretkau an; sie nannte sich fortan König von Ober- und Unterägypten, Maat-Ka-Re=Wahrheit ist die Seele des Re und Chnemetamun Hatschepsut= Sie, die den Amun umarmt, Erste unter den vornehmen Frauen. Der Propaganda nach sei sie vor dem Hof in Anwesenheit ihres Vaters Thutmosis I. inthronisiert worden und der Inschrift zufolge soll er sogar als gutes Omen den Neujahrstag dafür ausgewählt haben. Doch diese Behauptungen sind alle fiktiv, ebenso wie ihre Zeugung durch den Gott Amun und rein von politischem Interesse geprägt.

Während des Mittleren Reichs hatte der Amun-Kult zunehmend an Bedeutung gewonnen. Hatschepsut hatte ihren Totentempel auf dem Westufer Amun gewidmet und baute auch seinen riesigen Tempel auf dem Ostufer weiter aus. Die Königin hat indes nicht nur in Theben zum Ruhme Amuns gebaut, sondern es existieren zahlreiche Quellen mit Angaben über neu erbaute und teilweise unter den Hyksos zerstörte Tempelanlagen in Mittelägypten, die wieder instand gesetzt wurden. Ebenso ist ihre Regierungszeit für die zahlreichen Handelsexpeditionen, vor allem nach Punt (Nordsomalia) bekannt, die sie in ihrem Totentempel auf Reliefs verewigen ließ.

Hatschepsut starb um 1483 v. Chr. und es wird vermutet, das Thutmosis III. der solange auf den Thron warten musste, an ihrem Tod nicht ganz unschuldig war. Gerüchten zufolge soll er in seinen Hassanfällen gegenüber Hatschepsut, viele ihrer Denkmäler zerstört und ihren Namen aus der Königsliste entfernt haben. Spätere Generationen von Pharaonen war diese Regierungsepisode einer ägyptischen Königin zu entehrend, um überhaupt erwähnt zu werden.

Die fast 21jährige Regierungszeit der Königin Hatschepsut verlief friedlich und brachte dem Land einigen Wohlstand und einen der schönsten Tempel von Ägypten.

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Text von Gabriele Schwarz

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